CultNature

CULTNATURE

Naturvergnügen und Energienatur

Der produktive Park
PROJEKT
CULTNATURE – BIO-URBANE-PARKLANDSCHAFTEN ORT EIN FIKTIVER BERGBAUFOLGESTANDORT IM EMSCHER LANDSCHAFTSPARK AUFTRAGGEBER KLA KIPARLANDSCHAFTSARCHITEKTEN LANDSCHAFTSARCHITEKTEN PLANERGRUPPE OBERHAUSEN PLANUNG WORKSHOP 2013

Im Rahmen des Workshops CultNature „Bio-Urbane-Parklandschaften“ werden zwei Testentwürfe auf der Grundlage einer fiktiven Bergbaufläche entwickelt. Dabei wird die Idee des Modells „CultNature“ aufgegriffen sowie planerisch und gestalterisch umgesetzt. Auf einem brachliegenden Bergbaufolgestandort entsteht eine „Bio-Urbane-Parklandschaft“.
Die insgesamt 145 ha große ehemalige Bergbaufläche entspricht einer typischen Zentralschachtanlage mit großem Haldenareal im suburbanen Raum. Die Fläche grenzt südwestlich im Bereich der Gleisanlagen an ein Wohngebiet und ein Gewerbegebiet an. Das Haldenareal hingegen wird umrandet von Grün- und Waldflächen, sowie landwirtschaftlicher Nutzfläche.
Auf dem 29 ha großen ehemaligen Betriebsgelände ist nur noch die Doppelschachtanlage vorhanden, die heute zusammen mit der Verladestation als Kunst- und Kulturzentrum genutzt wird. Die anliegenden Gleisanlangen sind zu einem Radweg ausgebaut worden. Im Teilbereich zwischen den Gleisanlagen und der angrenzenden Wohnbebauung befindet sich ein kleiner Stadtteilpark.
Das gesamte hintere Areal der Betriebsfläche, inklusive der ehemaligen Kokereifläche, auf der sich heute ein Sicherungsbauwerk befindet, ist hingegen ungenutzt und entspricht einer verwilderten Grünfläche. Das große nordöstlich gelegene Haldenareal ist nur zu kleinen Teilen erschlossen und überwiegend durch Sukzession und offene Brachflächen geprägt.
Es werden für die Testfläche 2 Nachnutzungsvarianten erarbeitet:
1. NATURVERGNÜGEN: CultNature-Parklandschaft mit gewerblicher Nutzung der Betriebsfläche, Freizeitnutzung und energetischer Nutzung (Photovoltaik, Wind) auf der Halde
2. ENERGIENATUR: CultNature-Parklandschaft mit Nutzung für Freizeit auf dem Betriebsgelände und naturnaher Landschaft sowie energetischer Nutzung (Photovoltaik, Wind) auf der Halde.

Variante 1 – Naturvergnügen

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Gewerbe und Freizeit
Die ehemalige Betriebsfläche mit dem Sicherungsbauwerk wird überwiegend als kleinteiliges Gewerbegebiet entwickelt. Die anzusiedelnden Betriebe könnten inhaltlich mit dem vorhandenen Kulturzentrum und der Galerie verknüpft werden (Kunsthandwerk, Tischlerei, Bilderrahmen, Goldschmiede, Produktdesign etc.). Das höher liegende Erdbauwerk der „gesicherten Umlagerung“ (ehem. Kokerei) wird als Weihnachtsbaumplantage ebenfalls gewerblich genutzt. Es bietet gleichzeitig aufgrund seiner gestalterischen Ausformung Raum für stadtteilbezogene Events. Eine Fasanerie und Falknerei findet auf diesem Areal auch seinen Platz und hat gleichzeitig die notwendige räumliche Nähe zum „Haldenhof“. Dort ist auch das Management aller Flächennutzungen gebündelt. Der Haldenhof liegt am Ende der Parkachse, die das kleinteilige Gewerbegebiet erschließt und die Verbindung zum Stadtteilpark und zum Kunst- und Kulturzentrum herstellt. Das Kunst- und Kulturzentrum ist Knotenpunkt und „Verteiler“ zwischen regionalem Radweg, dem Stadteilpark mit seiner intensiven Verknüpfung mit dem Quartier und dem Stadtteil sowie dem Bergbauareal mit seiner umgenutzten Betriebsfläche und der angrenzenden Halde.
Der Haldenhof wird zum Gelenk: die baumbestandene Parkachse knickt hier nach Nord-Osten ab und führt geradewegs auf den Gipfel der Halde. Oben angekommen empfängt den Besucher eine große „Sanddüne“ mit einer Wasserfläche, die zwar kein Badesee ist, aber zusammen mit der großen Sandfläche doch den Traum vom Meer hinterm Horizont möglich macht. Spiralförmig führen Wege die Halde hinab, durch ausgedehnte Magerrasen- und blühende Wiesenflächen, vorbei an Beerensträuchern (zum Naschen), an Sanddorngebüschen (Saft + Marmelade), Schlehen und Weißdorn. Auch finden Weingärten ihren Platz am Südhang des künstlichen Berges. Es soll ein „Naturvergnügen“ sein, hier seine Freizeit zu verbringen, sich die lange Fahrt ans Meer zu sparen; in eines der kleinen Ferienhäuser im lichten Birkenwald einzuziehen und am Lagerfeuer der untergehenden Sonne im Westen zuzuschauen.

Im Vordergrund der „Bio-Urbanen-Parklandschaft“ steht in diesem Beispiel nicht die Energiegewinnung, (obwohl auch hier Windräder platziert werden können, im Gewerbepark können Solardächer Strom erzeugen), sondern die Energieersparnis und die Freude am ernten – auch dessen, was man nicht gesät hat – verbunden mit einem Ausflug in die produktive urbane Parklandschaft, die nebenbei ein kleines Nahrungs- und Genussmittelangebot bereit hält.

Ein Hauch von Meer auf der HaldeNatur und Vergnügen

Variante 2 – Energienatur

Lageplan Variante "Energienatur"

Freizeit und Natur
Der Schwerpunkt dieser Entwurfsvariante liegt bei der Energiegewinnung durch Biogas /Grünschnitt. Der gesamte Haldenkörper und die ihm vorgelagerten ebenen Bereiche sind mit einer blühenden Gräser/Hochstaudenflur überzogen so wie man sie von industriell geprägtem Rohboden mit bergbaulicher Vornutzung kennt, bzw. wie man sie als Grünland auf landwirtschaftlichen Flächen findet. Auf der ca. 100 ha großen unbebauten Fläche kann etwa mit einem Methanertrag von ca. 3.500 m³ pro Jahr gerechnet werden. Dies entspricht etwa 50 % des Ertrags von Mais. Mit dieser Methangasmenge können ca. 1,925 Megawatt Strom erzeugt werden. Die Grünschnittmenge, die von der Fläche geerntet werden kann (1.750 t/a) reicht jedoch nicht für die derzeit kleinste Anlage (Jahresdurchsatz von ca. 3.500 t) aus. Das heißt, sie kann nur im Verbund mit einem System von Grünschnittsammelstellen und ähnlich strukturierten Abfallstoffen betrieben werden.
Der grüne „Energieberg“ ist gleichzeitig durch Wanderwege erschlossen und mit einer großen Wiesenfläche auf der Kuppe versehen, so dass er neben der Energiegewinnung durch Grünschnitt (und Windräder) auch einen deutlichen Freizeitwert darstellt, zumal er auch eng mit dem Freizeitangebot auf der ehemaligen Betriebsfläche verbunden ist. Gehölzflächen mit ihren ausgeprägten strauchbetonten Rändern strukturieren den Haldenkörper und liefern Möglichkeiten, hier Beerensträucher anzupflanzen, die von den Spaziergängern, Wanderern, Joggern usw. im Vorübergehen geerntet werden können. Die Bio-Urbane-Parklandschaft ist nicht nur im Sinne von Energiepflanzen produktiv, sondern es kann auch „Essbares“ geerntet werden, Blütenhonig sowieso.
Die ehemalige Betriebsfläche im Zusammenhang mit dem kleinen Stadtteilpark ist der Schwerpunkt der Freizeitnutzung: Laufstrecken, Ballspielfelder, Kletterparcours und alles, was denkbar ist, kann auf dieser Fläche mit relativ einfachen Mitteln installiert werden. Ein Birkenhain, der sich hier im Laufe der Jahre entwickelt hat, überspannt die Fläche und gibt ihr eine anheimelnde Struktur. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, den Birkenhain durch vorsichtige Entnahme von alten Gehölzen nachhaltig zu pflegen und in seiner Struktur zu erhalten. Das zu entnehmende Holz kann von Anwohnern oder Menschen aus der näheren Umgebung selbst geschlagen und als Kaminfeuerholz verwendet werden.
Auf der leicht erhöhten Fläche der gesicherten Umlagerung entwickelt sich ein sog. Industriewald, in dem eine permanente Kunstausstellung installiert wird. Ein Skulpturenwald entsteht (siehe z.B. Zollverein Park), der im Zusammenhang mit dem Kultur- und Kunstzentrum im Stadtteilpark ein gern besuchter Zielpunkt für Kunstinteressierte werden kann.
Eine „Second-Hand-Natur“ auf dem Bergbaufolgestandort liefert Energie und bietet ein attraktives Umfeld für Kunst, Kultur und sportlich orientierte Freizeitaktivitäten.

Freizeit, Kunst und HolzschlagEnergie und Essbares